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Dopamin, die Kamera und ich – Eine Reise durch Höhen und Tiefen der Fotografie

Sönke Tunn • 9. Januar 2025

Fotografie: Vom Glücksgefühl zur emotionalen Achterbahn

Ich erinnere mich noch gut an den Anfang. Das Klicken des Auslösers, das erste digitale Bild auf dem Display, die wachsende Begeisterung, etwas Neues zu erschaffen. Das war 2013. Seitdem hat mich die Fotografie auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen mitgenommen – von euphorischen Höhenflügen bis hin zu frustrierenden Tiefpunkten. Eine Reise, die eng mit einem kleinen Molekül in unserem Gehirn verbunden ist: Dopamin.

Dopamin ist ein Neurotransmitter, oft als „Glückshormon“ bezeichnet, der eine zentrale Rolle in unserem Belohnungssystem spielt. Er wird ausgeschüttet, wenn wir etwas Positives erleben oder erwarten – ein Erfolgserlebnis, eine Anerkennung, ein schönes Bild. Gerade am Anfang einer fotografischen Karriere, besonders im Bereich der TFP- und freien Projekte, ist dieser Dopamin-Kick besonders stark. Man lernt, experimentiert, verbessert sich und erzeugt Bilder, die einem selbst gefallen. Dieser Erfolg wird durch positive Rückmeldungen von Models und anderen Kreativen verstärkt, was den Dopaminspiegel weiter ansteigen lässt.

Die ersten Shootings mit Modellen sind ein besonderer Meilenstein. Die Zusammenarbeit, die gemeinsame Kreation von Bildern, das Gefühl, etwas Schönes zu erschaffen – all das führt zu einem regelrechten Dopaminrausch. Man möchte mehr, immer mehr. Mehr Shootings, mehr Bilder, mehr Anerkennung. Ein Kreislauf beginnt, der zunächst beflügelnd wirkt, aber auch gefährlich werden kann.

Dieser Drang nach immer neuen und besseren Bildern kann zu einer Art Sucht werden. Man jagt dem nächsten Dopamin-Kick hinterher, vernachlässigt vielleicht andere Aspekte des Lebens und verliert den Blick für das Wesentliche. Irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem die anfängliche Begeisterung nachlässt. Der Reiz des Neuen verblasst, und die ständige Suche nach dem nächsten „Wow“-Effekt führt zu Frustration und Lustlosigkeit. Die Fotografie, die einst Quelle der Freude war, fühlt sich plötzlich schwer und belastend an.

Dieser Wendepunkt ist oft mit Selbstzweifeln verbunden. Man hinterfragt die eigene Arbeit, die eigene Kreativität, den Sinn des Ganzen. Der Druck der sozialen Medien, ständig perfekten Content zu liefern, verstärkt diesen negativen Kreislauf noch. Man vergleicht sich mit anderen, sieht nur die vermeintlichen Erfolge und vergisst dabei, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Dieser ständige Vergleich und der Druck, mithalten zu müssen, können zu einer regelrechten Emotionsspirale führen, die im schlimmsten Fall in ein tiefes Loch mündet.

Ich selbst habe diese Phasen durchlebt. Es gab Zeiten, in denen ich mich von der Fotografie entfremdet fühlte, in denen ich keine Lust mehr hatte, die Kamera in die Hand zu nehmen. Doch aus diesen Tiefpunkten habe ich wichtige Lektionen gelernt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass es entscheidend ist, Abstand zu gewinnen. Sich bewusst Auszeiten zu nehmen, sich Zeit für sich selbst zu gönnen und die Batterien wieder aufzuladen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Selbstreflexion. Sich zu fragen, warum man eigentlich fotografiert, was man damit erreichen möchte. Geht es wirklich nur um die Anerkennung anderer, oder steckt da mehr dahinter? Für mich ist die Fotografie eine Möglichkeit, meine Sicht auf die Welt auszudrücken, Geschichten zu erzählen und Emotionen einzufangen. Es geht um den kreativen Prozess selbst, um die Freude am Gestalten und um die Verbindung zu den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.

Um dem negativen Kreislauf entgegenzuwirken, habe ich mir angewöhnt, mir jedes Jahr neue fotografische Ziele zu setzen. Diese Ziele sind nicht unbedingt auf Social Media ausgerichtet, sondern dienen meiner persönlichen Weiterentwicklung. Es können technische Herausforderungen sein, neue Genres, die ich ausprobieren möchte, oder persönliche Projekte, die mir am Herzen liegen. Diese Herangehensweise hilft mir, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und mich nicht vom Druck der Außenwelt beeinflussen zu lassen.

Weitere Punkte, die in diesem Zusammenhang wichtig sind:
  • Achtsamkeit: Bewusst im Moment zu sein, die Umgebung wahrzunehmen und die Freude am fotografischen Prozess zu genießen.
  • Dankbarkeit: Sich bewusst zu machen, was man bereits erreicht hat und die positiven Aspekte der Fotografie wertzuschätzen.
  • Netzwerkpflege: Sich mit anderen Fotografen und Kreativen auszutauschen, sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen.
  • Kreative Pausen: Nicht ständig dem Zwang zu unterliegen, produzieren zu müssen. Sich Zeit für andere Aktivitäten nehmen, die die Kreativität beflügeln können.
  • Authentizität: Seinen eigenen Stil zu finden und sich nicht von Trends oder dem Geschmack anderer verbiegen zu lassen.
Die Fotografie sollte ein Gefühl sein, eine Quelle der Freude und Erfüllung. Es geht darum, Momente festzuhalten, Emotionen auszudrücken und die Welt auf eine einzigartige Weise zu sehen. In erster Linie macht man es für sich selbst. Wenn man diese Leidenschaft mit anderen teilen möchte, ist das wunderbar. Aber man sollte sich niemals von der Meinung anderer oder dem Druck der sozialen Medien beeinflussen lassen. Die Reise durch die Welt der Fotografie ist eine persönliche Reise, mit Höhen und Tiefen. Es ist wichtig, diese Reise bewusst zu gestalten und sich immer wieder daran zu erinnern, warum man eigentlich angefangen hat. Denn am Ende zählt nur eines: Die Freude am Bild.
von Sönke Tunn 5. Januar 2025
In der Welt der Portraitfotografie gibt es unzählige Stile, Herangehensweisen und Ausdrucksformen. Doch was macht ein wirklich gutes Portrait aus? Was verleiht ihm Tiefe und Bedeutung? Für mich persönlich liegt der Schlüssel in einem klaren "roten Faden", der sich durch die Bilder zieht und eine Verbindung zur porträtierten Person schafft. Dieser rote Faden kann vielfältige Formen annehmen. Er kann in der Wahl des Motivs liegen, in der Art der Inszenierung, in der Farbgebung oder in der Nachbearbeitung. Wichtig ist, dass er authentisch ist und die Persönlichkeit des Models widerspiegelt. Ein Beispiel: Ein Fotograf, der sich auf Pferdeportraits spezialisiert hat, teilt möglicherweise die Leidenschaft für diese Tiere mit seinen Kunden. Diese gemeinsame Begeisterung verleiht den Bildern eine besondere Dynamik und Authentizität. Ein anderes Beispiel wäre ein Fotograf, der sich auf Aktfotografie konzentriert und die Schönheit des menschlichen Körpers in den Vordergrund stellt. Auch hier liegt ein roter Faden vor, der die Bilder zu einem stimmigen Ganzen verbindet. Manchmal kann der rote Faden auch in einem ungewöhnlichen oder kontroversen Thema liegen. Ein Fotograf, der sich auf die Darstellung weiblicher Brüste konzentriert, mag auf den ersten Blick provokant wirken. Doch auch hier kann ein roter Faden erkennbar sein, der die Bilder in einen Kontext setzt und ihnen eine tiefere Bedeutung verleiht. Die moralischen Grenzen des roten Fadens muss jeder Fotograf für sich selbst definieren. Wichtig ist, dass die Bilder authentisch sind und die Persönlichkeit des Models respektieren. Der rote Faden ist nicht nur in den Bildern selbst wichtig, sondern auch in der Kommunikation zwischen Fotograf und Model. Ein offener und ehrlicher Austausch ist entscheidend, um ein gemeinsames Verständnis für das Projekt zu entwickeln und die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Grenzen zwischen Kunst und Provokation verschwimmen, ist es wichtiger denn je, einen klaren roten Faden in der Portraitfotografie zu verfolgen. Nur so können Bilder entstehen, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch authentisch und aussagekräftig sind. Der rote Faden verbindet nicht nur die Bilder eines Fotografen miteinander, sondern auch den Fotografen mit seinem Publikum. Er schafft eine gemeinsame Basis und ermöglicht es dem Betrachter, die Bilder besser zu verstehen und zu interpretieren. Ein klarer roter Faden kann dazu beitragen, dass sich die Bilder eines Fotografen von der Masse abheben und im Gedächtnis bleiben. Er verleiht den Bildern eine unverwechselbare Identität und macht sie zu etwas Besonderem. Fazit Der rote Faden ist ein essentielles Element der Portraitfotografie. Er verleiht den Bildern Tiefe, Bedeutung und Authentizität. Er hilft dem Fotografen, die Persönlichkeit des Models zu erfassen und in Bildern auszudrücken. Und er verbindet den Fotografen mit seinem Publikum und schafft eine gemeinsame Basis für den Dialog über die Bilder. In einer Welt, die immer komplexer und schnelllebiger wird, ist der rote Faden ein wichtiger Ankerpunkt. Er gibt uns Halt und Orientierung und hilft uns, die Dinge in ihrer Gesamtheit zu erfassen. In der Portraitfotografie ist er der Schlüssel zu Bildern, die berühren, inspirieren und in Erinnerung bleiben. ----- Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen 1 gelten gleichwohl für 2 alle Geschlechter.
von Sönke Tunn 20. Dezember 2024
Ich starte mit einem neuen Konzept und jeder Menge kreativer Energie ins Jahr 2025! Ihr wisst ja, Stillstand ist Rückschritt und deswegen habe ich mir für die kommenden Monate einiges vorgenommen. Lasst euch überraschen! Neue Inspirationen - Rokoko, Biker-Boho & ganz viel Dreamy Fantasy Ich liebe es, Neues auszuprobieren und mich immer wieder neu zu erfinden. 2025 stehen deshalb drei große Themen im Fokus, die mich schon lange faszinieren: Rokoko-Revival: Opulenz, Eleganz und eine Prise Verspieltheit - der Rokoko-Stil hat einfach etwas Magisches. Ich kann es kaum erwarten, diese Ästhetik in meinen Bildern einzufangen. Denkt an zarte Pastelltöne, fließende Stoffe und verspielte Details. Biker Boho: Freiheit, Abenteuerlust und ein Hauch von Rebellion - der Biker-Boho-Stil ist perfekt für alle, die das Leben in vollen Zügen genießen. Stellt euch Lederjacken, Fransen und coole Boots vor, kombiniert mit romantischen Blumenkränzen und verspieltem Schmuck. Dreamy Fantasy: Lasst uns gemeinsam in eine Welt voller Träume und Fantasie eintauchen! Ich möchte mit meinen Bildern Geschichten erzählen und euch in andere Sphären entführen. Weniger ist mehr: Reduktion und Fokussierung 2025 möchte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Weniger Unruhe, mehr Klarheit. Ich möchte lernen, Bilder schon in der Kamera so perfekt wie möglich zu gestalten und den Blick des Betrachters gezielt zu lenken. Dabei helfen mir die Regeln der Fotografie, wie zum Beispiel der Goldene Schnitt und die bewusste Nutzung von Licht. Natürliche Schönheit im Fokus Retusche? Nur wenn es unbedingt nötig ist! Ich möchte die natürliche Schönheit meiner Models in den Vordergrund stellen und sie so authentisch wie möglich abbilden. Social Media: Weniger ist mehr Auch auf Social Media wird sich einiges ändern. Mein Feed wird reduzierter, dafür aber umso stimmiger. Ich möchte euch mit ausgewählten Bildern inspirieren und neugierig machen. Mehr Einblicke hinter die Kulissen und zusätzliche Bilderstrecken gibt es dann in meinen Stories und auf meiner Website. Das Jahr 2025 wird Selbstbestimmung! Ich möchte noch mehr meine eigenen Vorstellungen, Wünsche und Ideen in meine Arbeit einfließen lassen. Meine Fotografie, die Bildauswahl und die Bearbeitung – all das wird noch stärker von meiner eigenen Handschrift geprägt sein. Ich vertraue auf meine Intuition und meinen künstlerischen Instinkt und lasse mich von meiner inneren Stimme leiten. Natürlich bin ich weiterhin offen für eure Wünsche und Vorstellungen, aber ich möchte noch mutiger meinen eigenen Weg gehen und meine einzigartige Vision verwirklichen. Freut euch auf ein spannendes Jahr voller neuer Ideen und Inspirationen!
von Sönke Tunn 30. Oktober 2024
In diesem Blogbeitrag teile ich meine Leidenschaft für alte Objektive und erkläre, warum ich sie in meiner Fotografie so schätze. Erfahrt mehr über die Magie des Unperfekten und warum technische Perfektion nicht alles ist.
von Sönke Tunn 30. Oktober 2024
In diesem Blogbeitrag nehme ich euch mit hinter die Kulissen meiner Arbeit und zeige euch meinen Workflow – von der Vorbereitung über das Shooting bis zur Bildauswahl. Erfahrt mehr über meine intuitive Herangehensweise, die Bedeutung von Licht und Stimmung und warum ich manchmal bewusst auf technische Perfektion verzichte.
von Sönke Tunn 30. Oktober 2024
TFP - Zeit für Prints. Was bedeutet das eigentlich? In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen mit freien Arbeiten in der Fotografie und erkläre, warum ich heute bewusster mit TFP-Projekten umgehe. Außerdem gebe ich Tipps für Fotograf*innen und Models, die sich für TFP-Shootings interessieren.
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