Ich erinnere mich noch gut an den Anfang. Das Klicken des Auslösers, das erste digitale Bild auf dem Display, die wachsende Begeisterung, etwas Neues zu erschaffen. Das war 2013. Seitdem hat mich die Fotografie auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen mitgenommen – von euphorischen Höhenflügen bis hin zu frustrierenden Tiefpunkten. Eine Reise, die eng mit einem kleinen Molekül in unserem Gehirn verbunden ist: Dopamin.
Dopamin ist ein Neurotransmitter, oft als „Glückshormon“ bezeichnet, der eine zentrale Rolle in unserem Belohnungssystem spielt. Er wird ausgeschüttet, wenn wir etwas Positives erleben oder erwarten – ein Erfolgserlebnis, eine Anerkennung, ein schönes Bild. Gerade am Anfang einer fotografischen Karriere, besonders im Bereich der TFP- und freien Projekte, ist dieser Dopamin-Kick besonders stark. Man lernt, experimentiert, verbessert sich und erzeugt Bilder, die einem selbst gefallen. Dieser Erfolg wird durch positive Rückmeldungen von Models und anderen Kreativen verstärkt, was den Dopaminspiegel weiter ansteigen lässt.
Die ersten Shootings mit Modellen sind ein besonderer Meilenstein. Die Zusammenarbeit, die gemeinsame Kreation von Bildern, das Gefühl, etwas Schönes zu erschaffen – all das führt zu einem regelrechten Dopaminrausch. Man möchte mehr, immer mehr. Mehr Shootings, mehr Bilder, mehr Anerkennung. Ein Kreislauf beginnt, der zunächst beflügelnd wirkt, aber auch gefährlich werden kann.
Dieser Drang nach immer neuen und besseren Bildern kann zu einer Art Sucht werden. Man jagt dem nächsten Dopamin-Kick hinterher, vernachlässigt vielleicht andere Aspekte des Lebens und verliert den Blick für das Wesentliche. Irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem die anfängliche Begeisterung nachlässt. Der Reiz des Neuen verblasst, und die ständige Suche nach dem nächsten „Wow“-Effekt führt zu Frustration und Lustlosigkeit. Die Fotografie, die einst Quelle der Freude war, fühlt sich plötzlich schwer und belastend an.
Dieser Wendepunkt ist oft mit Selbstzweifeln verbunden. Man hinterfragt die eigene Arbeit, die eigene Kreativität, den Sinn des Ganzen. Der Druck der sozialen Medien, ständig perfekten Content zu liefern, verstärkt diesen negativen Kreislauf noch. Man vergleicht sich mit anderen, sieht nur die vermeintlichen Erfolge und vergisst dabei, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Dieser ständige Vergleich und der Druck, mithalten zu müssen, können zu einer regelrechten Emotionsspirale führen, die im schlimmsten Fall in ein tiefes Loch mündet.
Ich selbst habe diese Phasen durchlebt. Es gab Zeiten, in denen ich mich von der Fotografie entfremdet fühlte, in denen ich keine Lust mehr hatte, die Kamera in die Hand zu nehmen. Doch aus diesen Tiefpunkten habe ich wichtige Lektionen gelernt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass es entscheidend ist, Abstand zu gewinnen. Sich bewusst Auszeiten zu nehmen, sich Zeit für sich selbst zu gönnen und die Batterien wieder aufzuladen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Selbstreflexion. Sich zu fragen, warum man eigentlich fotografiert, was man damit erreichen möchte. Geht es wirklich nur um die Anerkennung anderer, oder steckt da mehr dahinter? Für mich ist die Fotografie eine Möglichkeit, meine Sicht auf die Welt auszudrücken, Geschichten zu erzählen und Emotionen einzufangen. Es geht um den kreativen Prozess selbst, um die Freude am Gestalten und um die Verbindung zu den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.
Um dem negativen Kreislauf entgegenzuwirken, habe ich mir angewöhnt, mir jedes Jahr neue fotografische Ziele zu setzen. Diese Ziele sind nicht unbedingt auf Social Media ausgerichtet, sondern dienen meiner persönlichen Weiterentwicklung. Es können technische Herausforderungen sein, neue Genres, die ich ausprobieren möchte, oder persönliche Projekte, die mir am Herzen liegen. Diese Herangehensweise hilft mir, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und mich nicht vom Druck der Außenwelt beeinflussen zu lassen.
Weitere Punkte, die in diesem Zusammenhang wichtig sind:
- Achtsamkeit: Bewusst im Moment zu sein, die Umgebung wahrzunehmen und die Freude am fotografischen Prozess zu genießen.
- Dankbarkeit: Sich bewusst zu machen, was man bereits erreicht hat und die positiven Aspekte der Fotografie wertzuschätzen.
- Netzwerkpflege: Sich mit anderen Fotografen und Kreativen auszutauschen, sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen.
- Kreative Pausen: Nicht ständig dem Zwang zu unterliegen, produzieren zu müssen. Sich Zeit für andere Aktivitäten nehmen, die die Kreativität beflügeln können.
- Authentizität: Seinen eigenen Stil zu finden und sich nicht von Trends oder dem Geschmack anderer verbiegen zu lassen.
Die Fotografie sollte ein Gefühl sein, eine Quelle der Freude und Erfüllung. Es geht darum, Momente festzuhalten, Emotionen auszudrücken und die Welt auf eine einzigartige Weise zu sehen. In erster Linie macht man es für sich selbst. Wenn man diese Leidenschaft mit anderen teilen möchte, ist das wunderbar. Aber man sollte sich niemals von der Meinung anderer oder dem Druck der sozialen Medien beeinflussen lassen. Die Reise durch die Welt der Fotografie ist eine persönliche Reise, mit Höhen und Tiefen. Es ist wichtig, diese Reise bewusst zu gestalten und sich immer wieder daran zu erinnern, warum man eigentlich angefangen hat. Denn am Ende zählt nur eines: Die Freude am Bild.